Bassam Tariq hat während seiner Zeit bei Marvel offenbar eine klare Vorstellung davon bekommen, welchen Stellenwert ein Regisseur innerhalb des MCU-Systems einnimmt. Der Filmemacher, der 2022 als Regisseur des geplanten Blade-Reboots ausstieg, sprach nun im Gespräch mit Entertainment Weekly über die kreativen Grenzen bei Marvel Studios. Gemeinsam mit dem zweifachen Oscarpreisträger Mahershala Ali warb er dabei für den neuen Film Your Mother Your Mother Your Mother.
Bei Marvel steht das Studio über dem Regisseur
Tariq zufolge werde neuen Filmemacher*innen bei Marvel durchaus offen erklärt, wie die Zusammenarbeit funktioniert. „Sie sagen dir ganz freundlich: Das ist ein Marvel-Film, bei dem eine Person Regie führt“, erklärte er. Anschließend könne das Studio etwa Bildausschnitte verändern oder andere Anpassungen vornehmen. Mahershala Ali kommentierte die Aussage lachend mit: „Dein Name spielt vielleicht keine Rolle.“ Tariq machte allerdings zugleich deutlich, dass er seine Erfahrungen nicht ausschließlich negativ bewertet.
Seine Aussagen passen zu früheren Berichten über die Arbeitsweise von Marvel Studios und insbesondere die Rolle von Studiochef Kevin Feige. Das Wall Street Journal beschäftigte sich bereits mit der starken Einbindung des Produzenten in die Entstehung der MCU-Filme. Demnach wurden während der besonders produktiven Phase des Marvel Cinematic Universe wiederholt zusätzliche Dreharbeiten angesetzt und Szenen im späteren Produktionsprozess verändert. Dabei sollen auch Feiges Mitarbeiter eine wichtige Kontrollfunktion übernommen haben.
Marvels besondere Produktionsweise sorgt seit Jahren für Diskussionen
Dass Marvel seine Filme stark übergreifend steuert, ist dabei keine neue Erkenntnis. Die frühere Marvel-Managerin Victoria Alonso soll laut einem Bericht bereits 2023 gegenüber einem Filmemacher erklärt haben, dass Marvel selbst die Filme „dirigiert“. Auch andere Berichte beschrieben Feige als zentrale Instanz, die zahlreiche kreative Entscheidungen über mehrere Abteilungen und Produktionen hinweg zusammenführt.
Tariq stellt allerdings nicht grundsätzlich infrage, dass einzelne Regisseur*innen innerhalb dieses Systems eine eigene Handschrift entwickeln können. Als Beispiele nannte er unter anderem Black Panther. Gleichzeitig beschreibt er Marvel als Produktionsumfeld, in dem die übergeordnete Kontrolle beim Studio bleibt. Für Tariq bot sein neues Projekt mit Ali nun die Möglichkeit, diese Arbeitsweise hinter sich zu lassen und ein eigenständiges Konzept umzusetzen.