Inhalt
Jetzt wird’s verhext – und ziemlich turbulent! Bei den Neustädter Schülerinnen und Schülern steht das große Praktikum an. Doch ausgerechnet Bibi Blocksberg (NALA) hat die Anmeldung mal wieder verpennt. Während Marita (FIA) bei der Polizei ermitteln darf und Florian (Aithonas Avgoustakis) mit Kultreporterin Karla Kolumna (Palina Rojinski) auf der Jagd nach der nächsten großen Story ist, bleibt für Bibi nur noch ein Platz im Museum übrig – für sie der wohl laaaaangweiligste Ort der Welt. Doch plötzlich überschlagen sich dort die Ereignisse: Während Kuratorin Farrah Pahani (Nilam Farooq) gemeinsam mit Bibi eine neue Ausstellung vorbereitet, verschwindet eine wertvolle Spieluhr spurlos. Ein Rätsel, das Bibi sofort aufklären muss! Gemeinsam mit Marita beschließt sie, sich in die Nacht des Einbruchs zurückzuhexen und landet prompt 139 Jahre in der Vergangenheit – mitten auf Schloss Klunkerburg...
Kritik
Nicht einmal zehn Monate sind seit Bibi Blocksbergs letztem und jüngstem Kino-Revival Das große Hexentreffen vergangen, und man spürt die kurze Zeit, die blieb, um eine Fortsetzung zu entwickeln. Abgedreht war Die total verhexte Zeitreise zwar schon kurz vor Kinostart des ersten Teils, Zeit zum Wachsen ist dem Film aber scheinbar keine geblieben. Im Gegenteil, Gregor Schnitzlers (Die Wolke) neuster Familienfilm wirkt noch austauschbarer und zahmer als der quietschbunte Vorgänger.
Knapp 140 Jahre reist die Neustädter Junghexe mit ihrer Freundin Marita (Fia-Marie Lin) in die Vergangenheit und um sie herum ändert sich nahezu nichts. Die Optik bleibt künstlich, die Figuren flach, das Museum aus der Gegenwart eine sterile Schloss-Kulisse für eine nicht weniger fassadenhafte Geschichte. Diese erzeugt auch keine Spannung, indem sie ihre simple Zeitreise- und Detektivgeschichte in Gegenwart und Vergangenheit parallel erzählt oder sie mit Neustädter Vorzeigefiguren wie Karla Kolumna (Palina Rojinski) ausschmückt. Nicht einmal mit Fritzi Haberlandt (Wilma will mehr, Nebel im August) in einer Doppelrolle als überzeichnete Antagonistin, die zwar Spielfreude, ihre Figur aber nie echte Bedrohung ausstrahlt.
Stattdessen konstruiert Bibi Blocks - Die total verhexte Zeitreise mühsam eine Handlung zusammen, die ihre Botschaften gewohnt offen vorträgt, vieles von dem aufrührerischen Potential der Hauptfigur jedoch erneut liegen lässt. Die emanzipatorische Botschaft rundum die gleichaltrige, um Selbstbestimmung kämpfende Fritzi von Klunkerburg (Carmen Diego, Perla) ist weiterhin nicht aus der Zeit gefallen, aber dann doch so oberflächlich, dass der Geschichte ein konkreterer, aktuellerer Handlungsgegenstand, wie ihn die Hörspielvorlage zumindest manchmal noch findet, gutgetan hätte.
Ob sich Ähnliches so gut vermarkten ließe wie die als Social-Media-Teaser und eigene Produkte fungierenden Songs und Musicalsequenzen sei mal dahingestellt. Jene sind, man kennt es aus Die Schule der magischen Tiere oder der Vorgängerreihe Bibi & Tina, catchy-kitschige Pop(up)-Nummern, die selten in die eigentliche Handlung passen. Öfter sind sie völlig aus der Luft gegriffen wie manche willkürlichen Einfälle der Figuren. Funktioniert ersteres für das sehr junge Zielpublikum immerhin zum Mittanzen, traut der Film selbigem an anderen Stellen, etwa beim plumpen finalen Aufeinandertreffen, kaum etwas zu.
Bibi Blocksberg - Die total verhexte Zeitreise geht keinerlei Risiko ein, bleibt eine rein funktionale, kalkulierte und steif im Zaum gehaltene Fortsetzung. Mit vielleicht einer einzigen Ausnahme: Nala ist eine mehr als passende Hauptdarstellerin, die mit ihrer unaufdringlichen und sympathischen Spielweise eine charmante Bibi Blocksberg auf die Leinwand bringt. Ein bisschen Neugier, ein bisschen Lebendigkeit, die vielem anderen, besonders der Geschichte und der Welt, in der sie spielt, fehlt.
Fazit
So clean wie die gut ausgeleuchteten Museumsflure, so austauschbar wie etliche andere Kinderkrimifälle: Zeit und Raum für echte, zauberhafte Eindrücke oder fantasievolle Ideen gibt es, wenn überhaupt, nur ganz am Rand. Dafür mehr instagrammable Musical-Content, eine sterile historische Kulisse und eine formelhafte Geschichte. Unsere heutige Zeit und auch das gegenwärtige deutsche Kinder- und Familienkino hätte eine rebellischere, magischere und eigensinnigere Hexen-Adaption verdient.
Autor: Paul Seidel