Inhalt
Die Polizei ermittelt im Fall einer mysteriösen Kreatur, die das abgelegene Dorf Hope Harbor terrorisiert. Bei der Jagd auf das Wesen im nahe gelegenen Wald wird eine Gruppe Jäger selbst zur Beute. Aus den ersten Vorzeichen dieser Katastrophe erwächst bald eine Tragödie kosmischen Ausmaßes.
"Hope" wird im Rahmen des 40. Fantasy Filmfest gezeigt. Weitere Infos hier
Kritik
Ganze zehn Jahre mussten wir auf einen neuen Film von Regisseur Na Hong-jin warten. Das ist deswegen so schade, weil er zuvor das koreanische Kino mit großartigen Filmen wie The Chaser, The Yellow Sea und The Wailing bereicherte. Mit seinem neuen Sci-Fi-Actionthriller Hope, der auf den Filmfestspielen in Cannes seine Premiere feierte, geht es nun in eine ganz andere Richtung. Und für den Regisseur nimmt das Filmemachen auch eine andere Dimension ein. Denn der bis dato angeblich teuerste Film Südkoreas möchte den Startschuss für eine ganze Trilogie markieren. Ob es dazu kommt, entscheiden die Einnahmen an den Kinokassen.
Wüste Zerstörung und mehrere Tote in einem abgelegenen koreanischen Dorf. Was ist hier vorgefallen? Einige freiwillige Helfer und die Polizei starten die Ermittlungen, ohne zu wissen, wo sie da reingeraten sind. Von Beginn an wird eine immense Spannung um das Mysterium erzeugt, die sich auch schon bald machtvoll entlädt. Wenn die Charaktere durch das zerstörte Dorf wandern (darunter Hwang Jung-min aus New World - Zwischen den Fronten und The Wailing sowie Hoyeon aus Squid Game) und sich dabei hinter jeder Ecke stets das Grauen anbahnt, fühlt man sich an eine Endzeitthematik wie in The Last of Us erinnert. Schon bald lässt Hope die Katze aus dem Sack und lässt es von da an gewaltig krachen. Die Jagd nach einer unbekannten Kreatur beginnt, die alles und jeden zerfleischt, der ihr in den Weg kommt.
Was der rund 160-minütige Film in seiner ersten Stunde an Atmosphäre und Action präsentiert, ist schlichtweg sensationell. Vom aufwendigen Setdesign, den kunstvollen Kamerafahrten bis hin zur zerstörerischen, wuchtigen Inszenierung werden die Zuschauer regelrecht in den Kinosessel gedrückt. Würde Hope hier enden (oder auf die gleiche Weise weitergehen), hätten wir es vermutlich mit einem der aufregendsten Filme dieses Jahres zu tun. Ist aber leider nicht der Fall. Und der Absturz innerhalb der restlichen 100 Minuten ist leider recht groß.
Das stößt auf großes Unverständnis und wirft die Frage auf, was in der Produktion denn derart schief laufen konnte, nach so einem gelungenen Auftakt die Kontrolle zu verlieren. Dass Hope nach seinem anfänglichen Feuerwerk eine kleine Pause einlegen würde, war zu erwarten und ist völlig legitim. Doch aus dieser kommt er über den gesamten Mittelteil kaum wieder heraus. Statt die Zeit für Story und Charakterentwicklungen zu nutzen, plätschert der Film mehr oder weniger reizlos vor sich hin. Und sobald er sich zunehmend auf seine Aliens fokussiert (übrigens von Michael Fassbender und Alicia Vikander vertont), steigt das Fremdscham-Level auf vollen Anschlag an. Denn das Design von ihnen ist – um es nett auszudrücken – sehr gewöhnungsbedürftig. Das trifft auch auf den albernen Humor zu, der ein ums andere Mal völlig deplatziert wirkt. Und auch das CGI ist für so einen kostspieligen Film mehr als dürftig.
Und die Story? Nicht der Rede wert bzw. nicht existent. Hier wird viel angedeutet und angeteasert, aber scheinbar spart man sich jegliche Erklärung und Ausführung für die geplante Fortsetzung auf. Keine gute Idee, denn dort müssen die Zuschauer erst einmal ankommen. Dürfte aber nicht verwundern, wenn viele bereits nach dem ersten überlangen Film die Lust darauf verloren haben.
Zum Finale drückt Hope nochmal aufs Gaspedal und liefert auch die ein oder andere durchaus ansehnliche Szene, doch die Qualität seiner Eröffnungssequenz erreicht man dabei nicht mehr. Liegt sicherlich auch daran, dass die Rahmenbedingungen nun andere sind, als noch zu Beginn. Während man es da nämlich noch mit einer unbekannten Gefahr zu tun hatte und die Spannung ein wunderbarer Treibstoff hinter der Action war, ist gen Ende leider schon längst die Luft raus und der Geduldsfaden gerissen.
Fazit
Was für ein beeindruckender Start: Über seine erste Stunde hinweg ist "Hope" schlichtweg grandios, wenn er gekonnt mit fesselndem Thrill, fetziger Action und beeindruckenden Schauwerten jongliert. Was für ein Jammer, dass es danach so steil bergab geht. Das Tempo wird heruntergefahren, der Reiz der zuvor noch unbekannten Gefahr geht verloren, die Story wird einfach auf einen potentiell nächsten Film verschoben und man verliert sich in lauter Albernheiten.
Autor: Sebastian Stumbek