MB-Kritik

Until the Day Ends 2026

Drama

Lena Trifunović
Andrija Krivokapić
Miodrag Dragičević
Irina Hotomski
Stefan Tarabić
Raško Milatović
Milica Institucija
Marina Fartzova
Aleksandar Milošević
Dušan Pavlović
Slobodan Ilić
Marko Džudović
Nataša Radenković Čakardić
Dragan Timčić

Inhalt

Belgrad ist eine gespaltene Stadt. In besetzten Häusern und überfüllten Straßen kämpft Lena für eine Welt, von der sie glaubt, dass sie sich verändern lässt. Stefan, der aus demselben Viertel stammt, ist hin- und hergerissen zwischen dem Leben, das er sich wünscht, und den Kräften, die ihn auf die andere Seite der Proteste ziehen. Als sie aufeinandertreffen, erkennen sie eine gemeinsame Unruhe, die keiner von beiden so recht benennen kann.

Kritik

Kann Liebe gegen Ideologien bestehen? Können politische Überzeugungen romantischen Gefühle standhalten? Ist in einer von gesellschaftlicher Spaltung zerrütteten Gegenwart ein Miteinander im Wissen um unvereinbare Überzeugungen möglich? Um diese Fragen kreist Jelena Maksimovićs symollastiges Spielfilmdebüt, das zwischen sentimentaler Utopie und nüchternem Pragmatismus ähnlich schwankt wie das zentrale Figurenpaar zwischen intellektueller Überzeugung und emotionalen Impulsen. Die Eskalation der serbischen Protestbewegung im Jahr 2024 dient als bedrückend realer Hintergrund und Initiator einer lehrstückhaften Love Story zwischen Links-Liberalismus und Rechts-Konservativismus. 

Ein halbes Jahr nachdem der fatale Einsturz des Bahnhofsdachs von Novi Sad, bei dem 16 Menschen ums Leben kamen, die Protest gegen Einschränkung der Pressefreiheit  und Korruption hochkochen ließ, begegnet die anarchistische Studentin Lena (Lena Trifunović) dem 22-jährigen Stefan (Andrija Krivokapić), dessen Freundeskreis ihn Ecke der regierungstreuen Loyalisten zieht. Das geteilte Gefühl familiär Haltlosigkeit und gesellschaftlicher Entfremdung schafft eine unerwartete Nähe zwischen diesen prototypischen Vertretenden gegensätzlicher politischer Lager. Letzter Darstellung ist indes so oberflächlich und plakativ wie die manipulative Moral. 

Als musisch begabte zukünftige Akademikerin repräsentiert Lena die bürgerliche Mittelschicht als positives Ideal: gebildet, kultiviert, progressiv und engagiert. Stefan steht auf der Seite des Negativklischees einer aggressiven Arbeiterschicht, deren fehlender Zugang zu höheren Lehrstätten mit Ignoranz gleichgesetzt wird. Der verkappte Elitarismus und Klassismus dieses undifferenzierten Soziogramms spiegelt sich auf dramaturgischer Ebene in einer dialektischen Vermeidungsstrategie. Konflikte mit der eigenen Integrität umgeht die unebene Handlung ebenso wie die politische Konfrontation.  

Fazit

Wenn sich das prototypische Protagonisten-Paar Jelena Maksimović reduktiver Romanze in eine idyllische Naturlandschaft flüchtet und dort physisch entrückt von politischen Unruhen kindlich herumtollt, reflektiert dies unfreiwillig die dramaturgische Fluchttendenz. Der Plot behauptet ein zeitaktuelles Bewusstsein, das sich in hohlen Gesten erschöpft. Die ideologische Fragmentierung der post-jugoslawischen Gesellschaft zeigt sich verzerrt durch die Linse bildungsbürgerlicher Blasiertheit als klassistisches Zerrbild einer gewaltbereiten Unterschicht und intellektuell überlegenen Mittelschicht. Das ungelenke Spiel des Laien-Ensembles erhebt schauspielerische Schwäche zu Faux-Authentizität. 

Autor: Lida Bach
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